Freizeit- und Wassersportverein 
Uphuser Meer e.V.

 

 

 

 

 

Von Dirk de Vries 0 49 21 / 89 00-442

Emden. Er ist ein systematischer Mensch. Ohne Planung läuft bei ihm nichts. Ein Arbeitseinsatz beim Verein beispielsweise, wo irgendjemand ohne Arbeit rumsteht, gibt es bei ihm nicht. Er ist aber kein Pedant, er möchte nur das Bestmögliche aus allem herausholen. Der 63-jährige Uwe Kinast hat viel im Segelsport und in seiner Arbeit als Lehrer erlebt. Nun geht alles ein bisschen gemächlicher zu, ein Umstand, den Kinast sehr genießt.

Wann genau er mit dem Segelsport anfing, ist mit keinem Datum verbunden. Der gebürtige Leeraner zog mit seinen Eltern und Bruder im Alter von vier Jahren nach Westeraccum. „Mein Vater war begeisterter Angler und hatte einen Angelkahn”, sagt Kinast. Mit dem Vater ist er immer raus. Auf der Westeraccumer Ehe hat er die ersten Erfahrungen mit dem Wasser gemacht, dort auch das Schwimmen gelernt. „Das sind sehr intensive Erinnerungen”, so Kinast. „Mein Bruder und ich haben auf dem Angelkahn einen Mast aufgestellt und sind damals damit gesegelt.” Obwohl er bei dieser Erinnerung doch lächeln muss, weil mit richtigem Segeln hatte das noch nicht so viel zu tun.

Drei Jahre später zog die ganze Familie nach Uphusen. Und hier intensivierte Kinast seine Segel-Fähigkeiten im Kolk, der am Grundstück angrenzte. Zugute kam ihm sicherlich, dass sein Vater bei einer Tombola eine Benjamin-Jolle gewann. „Damit habe ich viel gelernt, irgendwann konnte ich sogar kreuzen.” Ein weiterer Vorteil: Seine Eltern hatten sich eine Bude am Uphuser Meer zugelegt. Anfang der 70er-Jahre gab es im Hause Kinast einen Zuwachs, der das Segeln in andere Dimensionen katapultierte: Eine 470er-Jolle wurde angeschafft, hochmodern, leicht und aus Kunststoff.

Beim Emder Segelverein war Kinast damals Mitglied. Denn am Uphuser Meer gab es bis dahin nur eine Interessengemeinschaft, die für den Erhalt der Meerbuden kämpfte. Dort brachten sich auch die Meer-Segler und Surfer ein, das war aber nur eine lose Gruppe. Aus dieser Gruppe gründete sich Anfang der 90er-Jahre dann auch eine Wassersportabteilung innerhalb der Interessengemeinschaft. Kinast war ebenfalls sehr aktiv.

Es sind oft die direkten Kontakte, die manches anstoßen, was ansonsten vielleicht länger gedauert hätte. Kinast kannte den Emder Stadtbaurat, auch ein Segler, und fragte an, ob am Uphuser Meer nicht ein Gelände für die Vereinsarbeit zur Verfügung stehen würde. „Wir wollten die Kinder und Jugendlichen für den Segelsport begeistern, hatten aber noch nicht einmal einen Steg.” Die Boote wurden einzeln durch das Schilf ins Wasser geschleppt. Das Gelände erwarb der Verein 1990.

Zugute kam Kinast im Sport auch das private Umfeld. Im Lehramts-Studium in Oldenburg, Kinast war Lehrer für Mathematik und Physik, lernte er seine Frau Birgit kennen. Von der Arbeit her hatten sie also gleiche Interessen. Und es gab auch einen, der Menschen für den Segelsport begeistern kann: Uwe Kinast. Seine Frau, die zuvor mit dem Segeln nichts am Hut hatte, nahm mit ihren Mann sogar an Regatten teil. Ein Unfall von ihr beendete zwar das gemeinsame Wettkampf-Segeln. Das wollte Birgit Kinast nun nicht mehr. „Sie ist immer noch im Boot, aber eher eine Kaffee-Seglerin”, scherzt Kinast.

Er musste sich umorientieren, ihm fehlte auf einmal der Partner im Boot. So stieß er auf die Finn-Dingi-Klasse. Und die steckte voller Herausforderungen. „Ich habe bis dahin geglaubt, dass ich segeln kann.” Kinast musste fast von vorne anfangen. „Ich bin im ersten Jahr nur hinterher gesegelt und habe im Grunde die volle Lehrzeit von drei Jahren gebraucht.” In Emden und umzu gibt es einige gute Finn-Segler. Die waren und sind immer der Maßstab für Kinast gewesen. Und das beflügelte ihn. Von 1996 an segelte er nicht mehr hinterher. 2004 belegte er auf der nationalen Rangliste den 10. Platz, dafür bekam er den Leistungspass. Da leuchten die Augen, denn das wiederum heißt, dass der Segler mit solch einem Pass ohne Qualifikation bei Meisterschaften in allen Bootsklassen mitsegeln darf.

Am Uphuser Meer ging es langsam voran. So um die 35 Aktive fingen an, einen Steg zu bauen, ein kleiner Schuppen kam dazu, und vom Vereinsgelände aus wurden die ersten Regatten gestartet. „Das hat sich dann immer weiter entwickelt.” Kinast, der in den ersten drei Jahren als Lehrer immer nach Rastede pendelte, bekam danach eine Stelle an der Orientierungsstufe der Osterburgschule. Von dort aus wurde er zum Gymnasium am Treckfahrtstief (GaT) abgeordnet. Und ab 1990 ist er dann fest zum GaT gewechselt.

Während seiner Lehrerzeit hat er immer mal versucht, auch die Schüler für das Segeln zu begeistern. Die Segel-AG-Kurse am GaT waren innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. Vielleicht liegt es an der ruhigen Art von Kinast, die die Schüler ansprach. Zudem hatte die AG den Vorteil, dass keine Noten verteilt wurden. Es ging um die Sache an sich. Und wenn Uwe Kinast anfängt zu erzählen, dann fühlt der Zuhörer fast das Boot, merkt die Wellen und den Wind.

Mit 60 Jahren leistete sich Kinast, wie er selbst sagt, den Luxus, in Rente zu gehen. „Ich kann jetzt viele Dinge machen, wofür andere sich Zeit nach dem Abitur oder dem Studium nehmen.” Er geht wandern mit seiner Frau, eine weitere Gemeinsamkeit der beiden, und sie reisen viel. Sonst war Kinast ja eher auf Regatten unterwegs. „Zweimal sind wir schon den Jakobsweg gegangen.”

Für die Segel-Zukunft sieht es auch gut aus. Die Kinder und Jugendlichen haben zwar heute viel mehr Möglichkeiten, nicht nur in sportlicher Hinsicht. Doch die Segelvereine der Region haben sich zu einer Kooperation zusammengeschlossen. Darin werden alle Jugendlichen und Trainer der teilnehmenden Vereine zusammengefasst. Hat ein Verein keinen Trainer, aber junge Segler, können die bei einem der Koop-Partner trainieren. Diese Kooperation war nach den Worten von Kinast sehr wichtig.

Schon immer wollte der Freizeit- und Wassersportverein Uphuser Meer, wie er seit 1996 nun offiziell heißt, auch Kinder und Jugendliche den Zugang zum Segeln ermöglichen, deren Eltern keine Meerbude haben. „Wir wollen für alle offen sein”, so Kinast. Er selbst will weiter aktiv bleiben, aber nicht unbedingt in der ersten Reihe stehen. Denn mittlerweile haben auch andere Dinge als das Segeln für Kinast einen festen Platz in seiner alltäglichen Freizeitplanung. Und diesen Luxus, frei zu entscheiden, was er davon machen möchte, ist nicht das Schlechteste.

 


Emder Zeitung vom Donnerstag, 15. Februar 2018, Seite 17

 

 

 

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